Mit der Entscheidung, den eigenen Unternehmensauftritt international auszurichten und seinen Onlinecontent in einer oder gar mehreren Fremdsprachen anzubieten, betreten nicht nur Projektverantwortliche in kleinen Unternehmen oft unbekanntes Terrain. Als Sprachdienstleister beobachten wir immer wieder, dass die Konzeption und Realisierung fremdsprachiger Internetpräsenzen aufgrund fehlender Erfahrungen im Übersetzungsbereich häufig unzureichend angegangen wird. Dabei ließen sich Schwierigkeiten, die sich daraus im weiteren Projektverlauf ergeben, bei einer gezielteren Planung im Vorfeld leicht vermeiden.

In unserer Serie zum Thema mehrsprachige Internetpräsenzen geben wir Ihnen ein paar Gedanken und Anregungen an die Hand, die aus Übersetzersicht erforderlich sind, um einen fremdsprachigen Unternehmensauftritt erfolgreich zu realisieren. In diesem ersten Teil geht es um die Fragestellungen, die ganz am Anfang eines Projekts stehen sollten: Was soll der fremdsprachige Webcontent leisten, wie hoch sollen/dürfen die Kosten sein und welche Stellschrauben gibt es, um Qualität, Anspruch und Kosten in ein ausgewogenes Verhältnis zueinander zu bringen? Im weiteren Verlauf der Serie konzentrieren wir uns dann auf handfeste Praxisfragen für die eigentliche Realisierungs- und Übersetzungsphase sowie für das optimale Zusammenspiel mit Ihrem Sprachdienstleister.

A) Imagefaktor Mehrsprachigkeit

Denkfehler: „Hauptsache fremdsprachig, egal wie“

Auf die Argumente, die für einen mehrsprachigen Onlineauftritt sprechen, muss in Zeiten einer stetig enger zusammenwachsenden Welt hier nicht weiter eingegangen werden. Die Anforderungen an die Übersetzungsqualität können dabei auf Unternehmensseite aber ganz unterschiedlich ausfallen. Während sich manche Projektverantwortlichen der Bedeutung einer wertigen Übersetzung für das eigene Unternehmen bewusst sind, betrachten andere die Mehrsprachigkeit ihrer Onlinepräsenz lediglich als ein inhaltliches Feigenblatt.

Gelegentlich ist auf Unternehmensseite zu hören, dass Mehrsprachigkeit eigentlich ja nur gewünscht wird, weil ein internationaler Firmenanstrich irgendwie „professioneller“ oder „seriöser“ wirke, aber im Grunde gar nicht so wichtig sei, da er für das eigentliche Business nicht relevant ist. Als Konsequenz daraus werden Übersetzungen dann mal schnell intern vom nächsten freien Mitarbeiter nebenan angefertigt oder durch eine Übersetzungsmaschine gejagt und ungeprüft veröffentlicht. Solange der Text, der am Ende dabei herauskommt, für deutschsprachige Augen auch nur irgendwie fremdartig anmutet, ist das Ziel erreicht.

Eine solche Haltung, mit der ein Unternehmen ja bereits eine gewisse Anspruchslosigkeit gegenüber der eigenen Außenwirkung signalisiert, ist natürlich problematisch. Um es ganz klar zu sagen: Wer den Aufwand scheut, der mit einem mehrsprachigen Internetauftritt naturgemäß verbunden sind, sollte darauf erst einmal lieber ganz verzichten. Dazu folgende Überlegungen:

1. Mehrsprachen-Websites als Marketingmittel

Seien Sie sich im Klaren darüber, dass für fremdsprachige Texte dasselbe gilt wie für die deutsche Ausgangssprache: Sie repräsentieren Ihr Unternehmen. Die Bedeutung eines hochwertigen Internetauftritts ist daher nicht zu unterschätzen. Gerade fremdsprachige Corporate Websites können ein entscheidender Imagefaktor für ein Unternehmen sein – im Guten, aber leider auch im Schlechten. Fehlerhafter, sprachlich schwacher oder lieblos hingeworfener Content ist, selbst wenn er nur als Provisorium gedacht ist, am Ende immer kontraproduktiv: Er verkehrt jeden Anspruch an den oben genannten „professionellen, seriösen“ Unternehmensauftritt ins Gegenteil.

Es ist übrigens ein Irrglaube, dass eine gute fremdsprachige Website nur für international agierende Unternehmen relevant ist und nur diese sich Mühe damit geben sollten. Bedenken Sie immer, dass Sie heutzutage auch bei Ihren inländischen Kunden oder Geschäftspartnern im Inland zunehmend mit Ansprechpersonen zu tun haben werden, denen etwa die englische Sprache vertrauter ist als die deutsche und die sich daher eher auf Ihren englischen Seiten bewegen werden – es sei denn, die Website existiert sogar in seiner eigenen Muttersprache. Ein mittelmäßiger oder gar mangelhafter fremdsprachiger Content lässt sich nicht verschleiern und kann ein eventuell mühsam aufgebautes Vertrauensverhältnis zu Ihren Kunden und Geschäftspartnern schnell wieder verspielen – nicht erst im Ausland, sondern eben auch schon im Inland. Diejenigen Unternehmen, die in Sprache(n) investieren, verschaffen sich einen Wettbewerbsvorteil.

2. Mehrsprachen-Websites als Übersetzungsreferenz

Ein weiterer Grund dafür, die Bedeutung einer hohen Übersetzungsqualität nicht zu unterschätzen, betrifft die Arbeitsweise der ausführenden Übersetzer*innen und ist auf Unternehmensseite oft gar nicht so bekannt. Fremdsprachige Internetseiten stellen in der Regel eine wichtige Referenz für alle späteren Übersetzungen dar. Wenn ein Unternehmen zu einem späteren Zeitpunkt einmal Corporate-Texte wie etwa Pressemitteilungen, Broschüren, Produktunterlagen oder andere Imagemittel übersetzen lassen möchte und dafür mit einem neuen Übersetzungsdienstleister zusammenarbeitet, ist die Webpräsenz des Unternehmens meist die erste Informationsquelle für die zuständigen Übersetzer*innen.

Zu professioneller Übersetzungsarbeit – zumindest, wenn sie seriös und qualitätsbewusst betrieben wird – gehört es, sich aus Gründen der sprachlichen Konsistenz im Vorfeld immer erst in einen neuen Kunden einzuarbeiten. Die fremdsprachige Onlinepräsenz stellt für Übersetzer*innen dafür in der Regel die wichtigste, oft einzige Quelle dar, um sich mit dem individuellen Wording des Kunden, der Tonalität oder den jeweiligen Fachterminologien vertraut zu machen. Lieblose, schlechte oder gar falsche Websiteübersetzungen (etwa fehlerhafte oder uneinheitliche Terminologien) können sich daher unbewusst in neue Texte einschleichen und „weitervererben“. Gleichzeitig ist damit ein sprachlicher oder begrifflicher Wildwuchs in der fremdsprachigen Kommunikation des Unternehmens vorprogrammiert, denn wenn die neuen Kommunikationsmittel anders (besser) übersetzt werden, entstehen Inkonsistenzen zum ursprünglichen (mittelmäßigen) Internetauftritt. Das pflanzt sich unweigerlich fort, und erfahrungsgemäß ist es ab einem bestimmten Zeitpunkt nur noch unter großem Aufwand möglich, in ein solches unternehmenssprachliches Durcheinander nachträglich Ordnung zu bringen.

Es liegt daher im ureigensten Interesse von Firmen, bei ihrem mehrsprachigen Internetauftritt von Anfang an auf Qualität zu achten und mit einer entsprechenden Planung für die Bedingungen zu sorgen, diese zu erreichen.

B) Kosten- und Aufwandsfaktor Mehrsprachigkeit

Denkfehler: Wie viel darf ein „Wurmfortsatz“ kosten?

An diesem Punkt wollen wir auch gleich auf das Thema Kosten zu sprechen kommen. Nüchtern betrachtet sind Übersetzungen nichts anderes als eine Investition, und zwar in Ihr Produkt und Ihr Image. Dafür wollen Sie natürlich etwas zurückbekommen, die Investition soll sich so renditestark wie möglich auszahlen. Im Fall von mehrsprachigen Onlinepräsenzen sollen in der Regel Marke, Produkt und Firmenimage gestärkt und im Idealfall der Abverkauf gesteigert werden.

Vermutlich liegt es in der Natur der Dinge, dass auf Unternehmensseite der Aufwand, der in den Content der eigenen Sprache bzw. Mastersprache einfließt, immer höher gewichtet sein wird als der für die anschließenden Übersetzungen. Das ist bis zu einem gewissen Grad auch genau richtig, denn Übersetzungen können in der Regel immer nur so gut sein wie die Ausgangssprache. Wenn die Mastertexte nur von geringerer Qualität sind, kann eine Übersetzung das oft nur noch schwer abfangen.

Leider beobachten wir häufig, dass die Erstellung des deutschen Web-Auftritts nahezu sämtliche Energien, Projektkosten und Timings verschlingt. Die anschließende Übersetzungsphase wird dann nur noch als lästiger Wurmfortsatz verstanden, als eine zeitfressende und vor allem kostspielige Pflicht, die man möglichst schnell hinter sich bringen will. Mit einer solchen Haltung werden allerdings Chancen verspielt, denn die Folge kann dann schnell ein enttäuschendes Übersetzungsergebnis, möglicherweise auch jede Menge Ärger sein. Vor allem aber zahlen sich Ihre Investitionen in die Übersetzung dann nicht so aus, wie sie es könnten.

Ja, wie jede andere Leistung auch, kosten Übersetzungen Geld, und je qualitätsorientierter sie durchgeführt werden, desto kostspieliger sind sie erst einmal. Die Höhe der Kosten besonders bei umfangreichen Website-Projekten hängt aber erfreulicherweise von vielen Einzelaspekten ab, und das verschafft Ihnen die Möglichkeit einer kostenbezogenen Feinjustierung. Gerade deshalb ist es wichtig, Ihre jeweiligen Anforderungen an den mehrsprachigen Unternehmensauftritt so frühzeitig wie möglich zu definieren (Ihr potenzieller Sprachdienstleister unterstützt Sie bestimmt dabei), das Budget entsprechend zu planen und im weiteren Prozessverlauf für die Rahmenbedingungen zu sorgen, mit denen Sie ein optimales Übersetzungsergebnis erhalten.

Was sind die gängigen Kostentreiber?
Wie hoch der finanzielle Spielraum ist, der der Erstellung des mehrsprachigen Contents eingeräumt wird, hängt natürlich vom individuellen Unternehmensziel ab. Stellschrauben zur Kostenanpassung gibt es aber genügend. Einige Faktoren, die den Übersetzungsaufwand und damit die Kosten bestimmen und im weiteren Verlauf dieser Beitragsserie genauer unter die Lupe genommen werden, sind unter anderem:

  1. Übersetzungsvolumen bzw. Textumfang
  2. Anzahl der gewünschten Fremdsprachen
  3. Fachlicher und inhaltlicher Anspruch
  4. Sprachlich-stilistische, ggf. adaptive Anforderungen
  5. Lokalisierungsaufwand
  6. Prozesshandling, ggf. Technologieeinsatz, CMS-Schnittstellen
  7. Projekt- und Zeitplanung, Terminierung
  8. Mehraufwand, Sonderwünsche und weitere Kostentreiber

Die simple Regel auch im Übersetzungsbereich lautet: Je größer die inhaltlichen und prozessualen Anforderungen, umso teurer wird das Ganze. Daher führt eine realistische Planung und ein ausgewogenes Verhältnis zwischen den unternehmerischen Wünschen und dem finanziellen Spielraum in der Regel immer zu dem besseren Übersetzungsergebnis. Wer hingegen bei begrenztem Spielraum zu viel will, kann schnell auf die Nase fallen.

Investitionen in Fremdsprachen haben positive Auswirkungen auf den Unternehmenserfolg. Das bedeutet zwar nicht automatisch und schon gar nicht für jedes Unternehmen, dass der Unternehmenserfolg steigt, je mehr in Übersetzungen investiert wird. Aber die Überlegung, dass Sie für Ihr Geld etwas zurückbekommen, sollte in Ihre unternehmerischen Planungen immer mit einfließen.

Nehmen Sie also den Prozessschritt Übersetzung ernst, denn er ist eine Investition, die sich schließlich für Sie auszahlen soll.

Im nächsten Teil erfahren Sie, wie Sie ohne großen Mehraufwand und bereits in der Konzeptionsphase durch entsprechende Vorüberlegungen für einen reibungslosen Übersetzungsprozess sorgen können, um die späteren Abläufe zu vereinfachen und die Qualität des mehrsprachigen Unternehmensauftritts zu steigern. Wenn Sie bis dahin nicht so lange warten möchten, nehmen Sie einfach Kontakt mit uns auf und lassen sich beraten.